Sonntag, 23. Juli 2017

Vor 25 Jahren strahlte das Lokalradio erstmals den Bürgerfunk aus - Christian Lukas war der erste Moderator im „Offenen Kanal“

Konzentrierte Arbeit im Tonstudio bei der ersten Bürgerfunk-Sendung im Juli 1992. Vorne an der Technik: Detlef Sawatzki, dahinter Elke Kaiser und Michael Winkler. (Foto: Christian Lukas)
Konzentrierte Arbeit im Tonstudio bei der ersten Bürgerfunk-Sendung im Juli 1992.
Vorne an der Technik: Detlef Sawatzki, dahinter Elke Kaiser und Michael Winkler.
Foto: Christian Lukas

Witten/Gevelsberg/Herdecke/Hattingen. Wieder ein Jubiläum in diesem Sommer: Nach 50 Jahren „Sgt. Pepper“ von den Beatles, 40 Jahren Rockpalast aus Essen können nun die Bürgerfunker im EN-Kreis auf 25 Jahre mit Sendungen im Lokalradio zurückblicken. Die Radiomacher aus dem EvK Witten waren damals die Ersten, die den Schritt von „drinnen nach draußen“ wagten.

Christian Lukas. (Foto: Peter Dziadek)
Christian Lukas.
Foto: Peter Dziadek
Nachdem das private „Radio Ennepe Ruhr“ im August 1991 seinen Sendebetrieb in Gevelsberg aufgenommen hatte, strahlte es am 29. Juli 1992 zum ersten Mal den Beitrag einer Bürgerfunkgruppe auf UKW aus – zu der traumhaften Sendezeit um 18 Uhr. Produziert hatte die 52 Minuten der Krankenhausfunk Witten im klinikeigenen Tonstudio an der Pferdebachstraße. Christian Lukas begrüßte am Mikrofon die geschätzten 10.000 Hörer und erläuterte ihnen die neue Sendeform, die in einer Art „Offenem Kanal“ allen Bürgern in NRW für selbstgemachte Sendungen mit aktuellen und lokalen Themen zur Verfügung steht – auch heute noch. Nach den Vorreitern aus Witten kamen nach und nach auch andere Hörergruppen auf den (hörbaren) Geschmack. Unter anderen „Megaherz“ aus Herdecke/Witten, „Turmfunk“ aus Hattingen, „JZ Alte Geer“ aus Gevelsberg und schließlich Antenne Witten, die heute noch unregelmäßig über die vier Wellen von Radio Ennepe Ruhr zu hören ist (werktags 20 Uhr, sonntags 19 Uhr).

Doch einfach nur vorproduzieren, ging damals nicht: Die Amateure aus Witten absolvierten zunächst eine Schulung, damit ihre Sendungen flüssig und semiprofessionell klangen und dass z.B. kein gebauter Beitrag länger als 2:30 Minuten war. Während die bisher live übergetragenen Wunschkonzerte im Krankenhaus alle Versprecher an die Krankenbetten übertrugen, mussten nun alle „Ähs“ und Räusper nachträglich rausgeschnitten werden und zwar aus den „Senkeln“ genannten Tonbändern, die als „Wagenräder“ auf den high-tech Tonbandmaschinen von Sennheiser lagen.

Neben Lukas, der in der Pilotsendung auch Musikwünsche für die Wittener Patienten präsentierte, verlas sein „Sidekick“ (=Co-Moderator) Michael Winkler Veranstaltungshinweise aus Stadt und Klinik. Techniker war Detlef Sawatzki, der die Regler, das Mikrofon, den Schallplattenspieler und das besagte Tonband abwechselnd konzentriert bediente. Elke Kaiser gab im Hintergrund redaktionelle Tipps. Christian Lukas produzierte wie alle Bürgerfunker ehrenamtlich im „RuhrstadtStudio“, das bekanntlich im Januar 2016 geschlossen wurde. Lukas blieb aber den Medien treu: Heute arbeitet der Wittener als freier Journalist (z.B. für „Geek! Magazin“), als Filmkritiker und als Sachbuchautor (z.B. „Witten-Annen“ im Sutton-Verlag) und macht nur noch gelegentlich Sendungen. Rückblickend meint der heute 47-Jährige: „Das ist schon eine erstaunlich lange Zeit: 25 Jahre. Da kann man wirklich nachdenklich werden.“

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