Donnerstag, 3. November 2016

Vor 40 Jahren ging der Krankenhausfunk auf Sendung - Vom „Festival der Liebe“ bis zum „Pferd ohne Namen“

Das Logo des Krankenhausfunks als Autoaufkleber aus den 80-er Jahren.
Gezeichnet wurde der muntere Patient von Gerd Kühn. Kühn ist Grafiker bei der
Stadt Witten und hat dort viele bekannte Figuren entworfen, wie z.B. das Zwiebelmännchen,
den gebogenen Rathausturm oder die jubelnden Kinder der Ferienspiele.
(miw) „Hier meldet sich der Krankenhausfunk Witten mit der Sendung ‚Sie wünschen – wir spielen‘“. So erklang es erstmals am 6. November 1976 in den Patientenzimmern und Aufenthaltsräumen des neuen „Diakonissenhauses“. Der damalige Krankenhausseelsorger Dieter Pfarre erinnert sich: „Das erste Lied, das wir im Wunschkonzert für einen Patienten spielten, war ‚Ein Festival der Liebe‘ von Jürgen Marcus, und es folgten manchmal bis zu 280 Wünsche pro Monat, die wir für Patienten und Mitarbeiter auflegten, Grüße und kleine Aufmerksamkeiten weitergaben und in Interviews die Patienten selbst erzählen ließen.“

Über die zentrale Patientenrufanlage konnten die Zuhörerinnen und Zuhörer Wünsche ins Tonstudio übermitteln – am 6. November vor 40 Jahren brach jedoch die Anlage wegen Überlastung zusammen. Telefonanrufe aus den Zimmern und von außen aus der Stadt oder gar von weiter weg  wurden in Zukunft immer sofort be-rücksichtigt. Klar, dass dann der „Babysitter-Boogie“ von Ralf Bendix oder „Happy Birthday“ von Stevie Wonder die meist gewünschten Titel waren.

„Genau dieser direkte Draht zu den Hörern, die im Rollstuhl oder mit Gehhilfen neugierig ins Tonstudio kamen, wurde von den Radioprofis immer gelobt, wie z. B. von den WDR-Journalistinnen Gabriella Wollenhaupt, Sabine Brandi oder Claudia Wietfeld, die uns als Studiogäste besuchten“, erzählt Michael Winkler, der damalige Öffentlichkeitsreferent. „Und wir waren mächtig stolz, der einzige Krankenhaussender im EN-Kreis zu sein“, ergänzt Peter Dziadek (Herdecke).

Bis 1996 wurden regelmäßig mittwochs die Wunschkonzerte im EvK „ausgestrahlt“. Danach nur noch bei Bedarf - bis 1999 die hausinternen Sendungen ganz eingestellt wurden. Bereits 1992 kam jedoch der Wechsel von drinnen nach drau-ßen: Im Tonstudio wurden seitdem Sendungen für den Bürgerfunk auf dem Lokalsender Radio Ennepe Ruhr vorproduziert und über Antenne im Verbreitungsgebiet ausgestrahlt.

Nach 39 Jahren und drei Monaten endete schließlich Anfang dieses Jahres auch diese Ära, bevor die Räumlichkeiten im 2. Stock entkernt und umgebaut wurden. Am 27. Januar wurde der letzte Bürgerfunk-Beitrag aus dem EvK Witten gesendet. Studiogast war die Krankenhausseelsorgerin Birgit Steinhauer, die über die Palli-ativ-Station der Klinik berichtete. Sie sagte unter anderem: „Es ist mir eine große Ehre, bei der letzten Sendung dabei sein zu dürfen. Ich danke euch für euer jahrzehntelanges Engagement.“ Das letzte Lied aus dem RuhrstadtStudio war übrigens „A Horse with No Name“, ein Oldie von der Band „America“.

Keine Kommentare :

Kommentar veröffentlichen