Freitag, 21. September 2007

Glockenmuseum in Gescher ist immer einen Ausflug wert - Wittener finden dort vier Glocken aus ihrer Heimatstadt

Groß war die Wiedersehensfreude dieser beiden Hevener als sie „ihre“ alten Glocken wiedersahen. Dirk Schulze-Steinen (links) und Ulli Sassenberg inmitten des Geläuts aus der Ruhrstadt. (Foto: Christian Lukas)

Groß war die Wiedersehensfreude dieser beiden Hevener als sie „ihre“ alten Glocken wiedersahen. Dirk Schulze-Steinen (links) und Ulli Sassenberg inmitten des Geläuts aus der Ruhrstadt. (Foto: Christian Lukas)



Nicht einmal eine geschlagene Stunde braucht man, um ausgediente Wittener Glocken wiederzusehen und wiederzuhören. Über die Autobahn A 31 ist man flugs im Münsterländischen Gescher, um in der Lindenstraße (hört, hört!) sie wiederzutreffen. Übrigens „Gescher“: Die kleine schnuckelige Stadt im Kreis Coesfeld, spricht sich überraschender Weise mit einem kurzen „E“ so wie in Esche.

Das genauso schnuckelige Glockenmuseum lädt in einem knarrenden Fachwerkhaus zu einer klangvollen Zeitreise durch die Geschichte der Glocken und des Glockengusses ein. Dass dabei Glocken auch geläutet, gebeiert und gekleppt werden können, gehört zu den besonderen Erlebnissen. Ein Glockenspiel und ein Stokkenklavier laden dazu ein, eigene Melodien zu spielen.

Glocken aus Kapellen und Kirchen veranschaulichen eindrucksvoll die musikalischen Fähigkeiten westfälischer Glockengießer vom 13. bis zum 20. Jahrhundert. So trifft der Besucher in einem lichten Anbau plötzlich auch auf eine Glocke aus der evangelischen Kirche in Herbede - eine Leihgabe des Märkischen Museums. Sie stammt als ursprünglich „katholische“ Glocke aus dem Jahr 1482. Etwas rührend ist ihre lange Inschrift zu lesen: „Heilige Katharina so bin ich genannt. Wenn ich rufe, so kommt zu Hauf, damit ihr von Gott nicht getrennt werdet.“

Weiterhin werden die Arbeitsschritte vom Zeichnen der Glockenrippe bis zum Glockenguss in der großen Glockengrube mit den Lehmformen erläutert. Darüber hinaus verdeutlichen zahlreiche Haus-, Fabrik-, Schiffs- und Tierglocken die große Bedeutung von Glocken im täglichen Leben.

Vor dem Museum stehen einladend die drei alten Glocken aus der Ev. Kirche am Steinhügel in Witten. Sie wurden bezeichnender Weise am Reformationstag im Jahr 1949 vom Bochumer Verein gegossen. Hans-Georg Westphal, pensionierter Pfarrer der Kirchengemeinde Heven, erinnert sich: „Ende 1986 wurde festgestellt, dass die drei Gussstahlglocken für den Glockenstuhl viel zu schwer waren, so dass ihre Schwingungen den Glockenstuhl aus seiner Verankerung riss und das Gewölbe des Kirchenschiffs auseinander zog. Eine sofortige Stilllegung wurde angeordnet.“

Und Westphal weiter: „Im Sommer 1987 wurden dann die Glocken durch einen Kran aus dem Turm gehoben und als erstes Stuhlgeläut zum Glockenmuseum nach Gescher gebracht.“ Dieses in der Geschichte der Hevener Kirche bereits dritte Geläut wiegt insgesamt 4,5 Tonnen und beschwert seit 21 Jahren den Rasen neben dem Museum.

Zu Ostern und in der Adventszeit verwandeln übrigens (Hobby-) Künstler das Museum in einen sehenswerten Kunstmarkt. Fazit: Das Westfälische Glockenmuseum in Gescher ist immer eine Reise wert für Gemeindegruppen - für Frauenhilfen genauso wie für Konfis und Kirchenmusiker. Erst recht, wenn man aus dem Kirchenkreis Hattingen-Witten kommt, um einen tönenden Gruß aus der Heimat zu erleben…

Das Glockenmuseum ist geöffnet dienstags bis sonntags von 10 bis 12 Uhr sowie von 15 bis 17 Uhr. Nebenan befindet sich in der Lindenstraße noch das Westfälisch-Niederländische Imkermuseum. In der Armlandstraße finden Besucher außerdem das Kutschenmuseum und den Museumshof auf dem Braem mit Beispielen aus der bäuerlichen Lebens- und Arbeitswelt. Weitere Infos unter der Telefonnummer 02542/7144 und im Internet unter www.gescher.de

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